Im neuen ABZforum: Kunst vor der Haustür

Kunst hat in der ABZ eine lange Tradition. 40 Werke sind in unseren Siedlungen zu finden – vom Wandbild bis zur Lichtinstallation. Und dank dem Kunstinventar können wir auf die Kunstgeschichte der ABZ zurückblicken.

Kunst vor der Haustür

Gleich drei Kunstwerke hat die ABZ 2018 in ihren Siedlungen eingeweiht: «UmGang» in der Balberstrasse 2, «Umzug der Tiere und Möbel» in der Siedlung Entlisberg 2 und «Strahler PD 18236» in der Toblerstrasse. Um den Überblick über so viel Kunst sicherzustellen, liess die ABZ alle seit 1916 entstandenen Kunstwerke, baukünstlerischen Verzierungen und Beschriftungen inventarisieren. Damit hat die ABZ ihre ganz eigene Kunstgeschichte.

Die Kunst soll die Identifikation der Bewohner/innen mit ihrer Siedlung und der ABZ stärken, die Architektur bereichern und den Werten der ABZ entsprechen. Und der Blick zurück zeigt: Die Kunstwerke sollten die Gemeinschaft der Bewohner/innen stärken.

Utopie für das Kollektiv
Zwischen 1922 und 1949 entstanden in der ABZ vor allem grosse Wandbilder. Sie zeigen eine Utopie: Arbeiterfamilien in einer gerechten und friedlichen Zukunft, in der alle selber die Früchte ihrer Arbeit ernten und in der es keinen Klassenkampf mehr braucht. Die Aufgabe der Kunst in jener Zeit war, das Kollektiv auf einen gemeinsamen Weg in eine bessere Zukunft einzuschwören.

Kunstlose Zeit
Im Wirtschaftsboom der Nachkriegszeit wurde etwas zuvor Undenkbares möglich: individueller Aufstieg und Wohlstand für alle. Damit verlor die Kunst ihre bisherige Aufgabe. Man war nicht mehr auf die Gemeinschaft angewiesen. Drei Brunnen mit harmlosen Motiven aus Kindergeschichten und zwei letzte Wandbilder entstanden noch. Dann war für 25 Jahre Schluss mit Kunst in der ABZ.

Einladung zur Teilnahme
Nach und nach wurden jedoch die negativen Folgen der Individualisierung spürbar: Isolation, Einsamkeit im Alter und Verödung des Stadtraums. Das Bedürfnis wuchs, gemeinsam die Lebensbedingungen zu verbessern. Um 1980 begann die ABZ darum, die Gemeinschaft wieder zu fördern – und es entstand neue Kunst wie etwa in der Siedlung Rütihof 1.

Die seit Mitte der 80er-Jahre entstandenen Kunstwerke sprechen nicht mehr das Kollektiv an, sondern die einzelnen Menschen. Sie spielen mit der Magie der Verwandlung und sagen: «Bleib nicht gefangen in der Welt, wie du sie siehst!» Sie geben den Betrachter/innen eine neue Rolle: Sie sollen Teil des Werks werden – wie zum Beispiel in der Siedlung Ruggächern beim Pétanquespielen.

Wirkung über die Siedlung hinaus
Seit 35 Jahren bietet sich die Kunst in der ABZ jedem Einzelnen an: Sie bringt Menschen in Kontakt – zuerst in der Siedlung, dann vielleicht im Quartier, in der Gemeinde, über die ABZ hinaus. Damit hilft die Kunst bei einer zentralen Aufgabe unserer Zeit: Gemeinschaft und Solidarität zu fördern, aber ohne den früheren Zwang zur Konformität.

Bilder: Reto Schlatter, Ruedi Weidmann

Kunst als Einladung, an der Gemeinschaft teilzunehmen: Wer in der Siedlung Ruggächern Pétanque spielt, wird Teil des Kunstwerks «Place de Gaule 2» von Markus Weiss von 2007 und knüpft dabei Kontakte.
Kunst als Einladung, an der Gemeinschaft teilzunehmen: Wer in der Siedlung Ruggächern Pétanque spielt, wird Teil des Kunstwerks «Place de Gaule 2» von Markus Weiss von 2007 und knüpft dabei Kontakte.

Und ausserdem

Der Glattpark füllt sich mit Leben: Die ABZ heisst rund 500 neue Bewohner/innen willkommen.

Die Stadt Zürich wächst: Der kommunale Richtplan 2040 zeigt, wie Zürich in 20 Jahren aussehen könnte.

Solidaritätsfonds: Wer Projekte mit Bezug zum Thema wohnen kennt, kann einen Antrag um Unterstützung stellen.

Wir wünschen eine gute Lektüre.

Die Früchte seiner Arbeit selber ernten: Utopie einer gerechten und friedlichen Gesellschaft in der Zukunft auf Wilhelm Hartungs Wandbildern von 1929 an der Sihlfeldstrasse.
Die Früchte seiner Arbeit selber ernten: Utopie einer gerechten und friedlichen Gesellschaft in der Zukunft auf Wilhelm Hartungs Wandbildern von 1929 an der Sihlfeldstrasse.
Harmloses Idyll aus Kindergeschichten: Fuchs als Hühnerdieb auf dem Brunnen von Luigi Zanini in der Siedlung Im Moos von 1957.
Harmloses Idyll aus Kindergeschichten: Fuchs als Hühnerdieb auf dem Brunnen von Luigi Zanini in der Siedlung Im Moos von 1957.
Erstes Kunstwerk nach langer Pause: Hansruedi Schellers farbige Bemalung des gesamten Erdgeschosses im Rütihof 1 von 1984 hilft bei der Orientierung, bringt Licht und Farbe in die Gänge und ist ein Beitrag an die Lebensqualität.
Erstes Kunstwerk nach langer Pause: Hansruedi Schellers farbige Bemalung des gesamten Erdgeschosses im Rütihof 1 von 1984 hilft bei der Orientierung, bringt Licht und Farbe in die Gänge und ist ein Beitrag an die Lebensqualität.