Im neuen ABZforum: Wenn sich die Stadt wandelt

Sihlfeld, Langstrasse, Seefeld – Quartiere, die früher oft gemieden wurden, gehören heute zu den beliebtesten der Stadt. Das hat mit Strukturwandel zu tun und zeigt: Zürich geht es gut. Doch der Wandel hat auch seine Tücken.

Wenn sich die Stadt wandelt

Frühstück im Café du Bonheur, Mittagessen im Grand Café Lochergut und zum Zvieri in die Gelateria di Berna – heute steppt der Bär in den Quartieren Sihlfeld und Wiedikon. Junge Familien schlendern in Begegnungszonen, Hipster flitzen durch die Strassen, angesagte Lokale öffnen ihre Türen. Sie alle sind Zeugen eines Strukturwandels, denn vor 20 Jahren sah das Leben hier anders aus. Der Grund: die Weststrasse, die Stau, Lärm und Abgase brachte. Vernachlässigten Liegenschaften und eine entsprechend tiefe Lebensqualität waren die Folge. Mit der Eröffnung der Westumfahrung 2009 wurde die Weststrasse zu einer Tempo-30-Zone beruhigt. «Dadurch wurde das Quartier ruhiger und schöner, aber auch teurer», sagt Nathanea Elte, ABZ-Präsidentin.

Studenten und Künstler als Pioniere
Im Rahmen eines Strukturwandels findet eine Attraktivitätssteigerung statt: Das noch günstige, aber zunehmend attraktivere Quartier zieht Studenten und Künstler an. Sie werten den Stadtteil durch kulturelle Aktivitäten auf. Darauf folgen Gastronomen, die die Aufwertung fördern und weitere Interessierte anziehen. Zudem kaufen Investoren Häuser und Wohnungen, sanieren oder erstellen Ersatzneubauten. Es entstehen angesagte Lokale und schicke, teure Wohnungen. Die Folge: Die alteingesessene, finanziell schwache Arbeiterschicht und das einfache Gewerbe können sich das Leben nicht mehr leisten und müssen wegziehen.

Verantwortung gegenüber Bewohner/innen
Aufwertung hat aber auch ihre guten Seiten: «Sie ist Zeichen dafür, dass es einer Stadt gut geht», erklärt Marie Glaser, Leiterin des ETH Wohnforums. «Damit der Strukturwandel aber sozialverträglich verläuft, braucht es einen verantwortungsvollen Umgang mit den bisherigen Bewohnenden», sagt Elte. In diesem Zusammenhang leisten Genossenschaften einen wichtigen Beitrag, beispielsweise mit der Kostenmiete oder indem sie das Land der Spekulation entziehen. Ebenfalls kann eine aktive Bodenpolitik der Stadt die Verdrängung abfedern – «etwa durch eine stärkere Förderung des genossenschaftlichen und kommunalen Wohnungsbaus», so Glaser. Zum Beispiel dank Ersatzneubauten: «Mit diesen können wir auf der gleichen Fläche mehr Wohnraum für mehr Menschen erstellen», sagt Elte.

Richtlinien für die Wohnungsvergabe
Trotz dieser Handlungsmöglichkeiten ist der Wohnraum in der Stadt Zürich knapp. Deshalb achtet die ABZ auf einen sparsamen Umgang mit Wohnflächen. Wir planen effiziente Grundrisse, zudem gelten strikte Richtlinien für die Wohnungsvergabe. So achtet die ABZ darauf, auch einkommensschwachen Haushalten günstige Wohnungen anzubieten. Bei der Vermietung von Ersatzneubauten haben die bisherigen Bewohnenden Vorrang. Elte: «Damit tragen wir dazu bei, dass Alteingesessene möglichst nicht wegziehen müssen und dass die aufgewerteten Quartiere durchmischt und lebendig bleiben.»
 

Und ausserdem

Wie ein kleines Hotel: Komfortabel nächtigen in den Gästezimmern der ABZ.

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Wir wünschen eine gute Lektüre.

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Mit der Entstehung der Europaallee hat sich das Stadtbild und mit ihm das Leben in der Nähe der Langstrasse signifikant verändert (hier das 25hours Hotel im Kreis 4).
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