Ein kleiner Krieg für mehr Grün

Mehr Grün im städtischen Raum – das verfolgt die Guerilla-Gardening-Bewegung. Ihre Wurzeln liegen im New York der 70er-Jahre. Aber auch die Schweiz hat ihren Guerilla-Gardening-Pionier.

Nachts mit Pflanzensamen ausrücken und diese heimlich aussähen – das ist Guerilla Gardening. Entstanden ist diese Bewegung in den 1970er-Jahren in New York. Damals verwandelte die Gruppe «Green Guerillas» heruntergekommene Hinterhöfe, zum Abriss bestimmte Grundstücke, Müllhalden und verwahrloste Parkplätze in bunte Blumenwiesen. Ins Leben gerufen hatte Green Guerillas die Künstlerin Liz Christy, weil sie das damalige Bild einer verfallenen Stadt nicht weiter dulden wollte. Die Aktionen waren illegal und hatten das Potenzial, die Polizei zu mobilisieren. Mit geschickten Partnerschaften zu anderen Organisationen wie dem New Yorker botanischen Garten oder der Gründung der Umweltschutzgruppe CENYC zeigte sich Green Guerillas gegenüber der Stadt aber als gemeinnützige Gruppe – und musste so keinen Konflikt mit den Behörden fürchten. Über die Jahre wuchs die Bewegung stetig: Heute gibt es in New York rund 600 Gärten, die allein durch Bürger geschaffen wurden. Dort gärtnern die Menschen, sie bauen Lebensmittel an, Kinder entdecken die Natur und Senioren geniessen die frische Luft.

Blumen-Graffiti

Was Liz Christy für New York war, ist Maurice Maggi für Zürich: ein Guerilla-Gardening-Pionier. Seit den 1980er-Jahren ist er mit Pflanzensamen unterwegs, die er etwa auf Strassenrändern verteilt. Damit setzt er sich für mehr Grün in der Limmatstadt ein. Er nennt seine Aktionen Blumen-Graffiti. Malven scheinen ein Markenzeichen Maggis zu sein. Sie blühen in unterschiedlichen Farben – weiss bis violett –, sind robust und zeigen sich von Juni bis September in ihrer ganzen Pracht. Wer also in Zürich Malven sieht, sollte wissen, dass sie sehr wahrscheinlich von Maggi gesät wurden.

Die Blumen-Graffiti sind ein Weg, der Natur Sorge zu tragen. Denn Maggis Pflanzen leisten einen Beitrag zur biologischen Vielfalt in der Stadt. So liefern sie beispielsweise Insekten Nahrung und Unterschlupf – und uns Menschen Medizin: Die Malve gilt als Mittel gegen Husten und Entzündungen im Rachen- und Mundraum. Und nicht zuletzt heisst mehr Grünraum in der Stadt mehr Lebensqualität. Dazu können wir alle beitragen. Das muss nicht gleich heissen, auf öffentlichem Grund Samen zu säen. Auch Töpfe mit einheimischen Pflanzen auf dem Balkon leisten einen Beitrag. Auf geht’s!