Gemeinschaft aus Überzeugung oder als Notwendigkeit?

Innovative Wohnformen wie Gross-WGs, Hallen- oder Modulwohnen: Was heute noch exotisch erscheint, könnte bald weit verbreitet sein. Der Verband WBG Zürich und die Hochschule Luzern bieten einen Überblick mit ihrer neuen Publikation

Die Gross-WG in Dübendorf
Die Gross-WG in Dübendorf

Klimawandel, Zersiedelung, Wohnungsnot – die grossen Herausforderungen unserer Zeit beeinflussen, wie wir in Zukunft wohnen werden. Innovative Ansätze dazu gibt es schon heute. Sie beschäftigen sich mit der Gemeinschaft als Grundhaltung oder als Mittel zum Zweck, mit Durchmischung und Integration, mit besonderen Lebensstilen, mit neuen Bedürfnissen.

Eine neue Publikation zu innovativen Wohnformen zeigt Anhand von neun unterschiedlichen Projekten, wohin die Reise gehen könnte. Alle setzen sich mit der Frage auseinander, wieviel Gemeinschaft und wieviel Privatsphäre künftig notwendig sind und wieviel Raum ihnen beigemessen wird. Auch der soziale Aspekt spielt eine wichtige Rolle, wobei unterschieden wird zwischen Gemeinschaft aus Überzeugung und Gemeinsamkeiten als Notwendigkeit.

Der Verband Wohnbaugenossenschaften Zürich und die Hochschule Luzern wollen mit ihrer Publikation die Diskussion über zukünftige Wohnformen anregen und eine Orientierungshilfe bieten, wie wir uns dem Thema innovative Wohnformen annähern können. Im Folgenden zwei Beispiele aus der Schweiz:

Gemeinschaft als Grundhaltung: die Gross-WG in Dübendorf

Die Gross-WG in Dübendorf verfügt über 13,5 Zimmer und 430 Quadratmeter. Hier wohnen Menschen, die gemeinsam leben und gleichzeitig ihre Individualität berücksichtigt haben möchten. Zudem ist der Wille zur Selbstorganisation da.

Der lange Grundriss der Wohnung und die damit ungewohnten Lichtverhältnisse sowie die Verbindung zur Nachbar-WG durch einen Steg sollen die Bewohner/innen dazu inspirieren, mit der Nutzung des Wohnraums zu experimentieren. Gleichzeitig ist auch Platz für traditionelle Bereiche: Zentrum der Wohnung sind Küche und Essraum. Weitere Begegnungszonen sind zwei Wohnzimmer und Teeküchen; als Rückzugsort dienen zehn Individualräume.

Zum Zeitpunkt der Studie wohnten elf Personen in der Wohnung – darunter Paare, Singles und Alleinerziehende zwischen 25 und 50 Jahren. Sie organisieren sich als Verein und befolgen eine Charta, die Solidarität und Selbstorganisation grossschreibt. Eine Siedlungskommission und diverse Arbeitsgruppen kommen regelmässig zusammen.

Spezifische Lösungen für bestimmte Lebensphasen: MixMax in Opfikon

Die MixMax-Wohnungen in Opfikon zielen auf Single- und Paarhaushalte sowie auf die Generation der Millennials ab. Der Grund: Es handelt sich um knapp geschnittene Wohnungen mit gemässigten Mieten. Diese Wohnform reagiert auf die zunehmende Singularisierung des Wohnens und den wachsenden Bedarf von Wochenaufenthaltern an vergleichsweise kostengünstigem und kompaktem Wohnraum.

Die Wohnungen sind rund 40 Quadratmeter gross und bestehen aus Schlafzimmer, Küche sowie Bad. Sie werden durch einen gemeinsamen, frei nutzbaren Innenhof ergänzt. Kontakte zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern sollen zwanglos erfolgen – etwa in Laubengängen, in der Waschküche oder auf der Dachterrasse. So wird ein Gleichgewicht zwischen Anonymität und Gemeinschaft geschaffen.

Die Studie mit allen Fallbeispielen kann hier heruntergeladen werden.